Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Geburtshelferkröte

Selten - gefährdet - schützenswert

Leben im Wasser und an Land

Fast alle Amphibien brauchen Gewässer, um dort ihren Laich oder die Larven abzusetzen. Die Larven - bei Froschlurchen Kaulquappen genannt - leben bis zur Verwandlung ausschließlich im Wasser und atmen über Kiemen. Bei den Froschlurchen - dazu gehören Frösche, Kröten und Unken - verwandeln sich die Larven in Landlebewesen, die über Lungen atmen und unterschiedlich viel Zeit ihres Daseins im Wasser verbringen. Gelbbauchunke sind im Sommer nicht nur nachts sondern auch tagsüber häufig in Pfützen und Tümpeln anzutreffen. Geburtshelferkröten hingegen suchen nur ein Gewässer auf, um dort ihre Larven abzusetzen, selbst die Paarung findet an Land statt.

Das Landleben der Adulten

Die erwachsenen Tiere der Kreuzkröte, Geburtshelferkröte und Gelbbauchunke leben an Land. Aufgrund ihrer durchlässigen Haut müssen sie sich tagsüber vor dem Austrocknen schützen. Sie sind daher vorwiegend nachts aktiv. In der Dämmerung kommen sie aus ihren Verstecken hervor, um auf Nahrungssuche zu gehen oder dem Fortpflanzungsgeschäft nachzugehen. Während heißer und trockener Perioden im Sommer verkriechen sie sich längere Zeit in Erdspalten, unter Steinen oder Totholz oder graben sich in sandig-kiesigen Boden ein. Gelbbauchunken sind allerdings auch tagaktiv.

Den Winter überdauern die wechselwarmen Tiere in frostsicheren Verstecken. Sie nutzen Kleinsäugerbauten, die Spalten in Blocksteinhalden, kriechen unter Totholz, Laub und Wurzeln oder graben sich tief in sandige Erde ein.

Was vor die Nase läuft, wird gefressen

Unken und Kröten ernähren sich von Kleintieren aller Art. Alles, was sich bewegt und überwältigt werden kann, dient als Nahrung. Das können Würmer, Schnecken, Insekten und Spinnen sein. Die Kaulquappen hingegen ernähren sich von Algen, toten Tieren und anderem abgestorbenen, organischen Material.

Der gefährlichste Feind: der Mensch

Feinde haben Amphibien einige. Kaulquappen und erwachsene Tiere sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Aus tausenden befruchteten Eiern gehen am Ende nur wenige Adulte hervor. Der größte Feind jedoch ist der Mensch. Durch sein Wirken hat er auf vielfältige Weise dafür gesorgt, dass vielerorts Amphibienarten gefährdet, bedroht oder ausgestorben sind.

Der Mensch hat

  • die Lebensräume der Amphibien zerstört. Kreuzkröten, Geburtshelferkröten und Gelbbauchunken leben natürlicherweise an Fließgewässern mit ausgedehnten Auen. Naturbelassene Flussläufe, die von weitläufigen Auen gesäumt werden, gibt es in Europa nur noch sehr wenige.
  • Amphibien nicht heimischer Arten ausgesetzt, die die heimischen Bestände verdrängen oder Krankheiten übertragen, die für die heimischen Amphibien tödlich sind.
  • durch intensiven Ackerbau, Zersiedelung der Landschaft und Versiegelung des Bodens die einzelnen Bestände so isoliert, dass die Tiere nicht mehr von einem noch bestehendem Lebensraum in einen anderen wandern können.
Gelbbauchunken-Laich (Foto: Elisabeth Schoenen)
Junge (juvenile) Gelbbauchunken. (Foto: Biologische Station StädteRegion Aachen e.V.)
GeburtshelferkrötenDie Geburtshelferkröten graben sich tagsüber in die Sandhaufen ein. Erst abends kommen sie zum Vorschein.© Biologische Station StädteRegion Aachen e.V.

Naturlebensraum Aue

Gelbbauchunke, Geburtshelferkröten und Kreuzkröten leben natürlicherweise an Bächen und Flüssen. Durch die Fließdynamik des Gewässers und Hochwasserereignisse entstehen mal hier, mal dort Laichgewässer, die über kurz oder lang wieder austrocknen. Ufer und Inseln werden überschwemmt, die dort wachsenden Pflanzen fortgespült und Sand und Kies abgelagert. Bäche und Flüsse bieten den Tieren Laichgewässer und Bodenbereiche, die frei von Pflanzenbewuchs sind, sogenannte Pionier-Lebensräume. In den Uferbereichen, Böschungen und Auen finden sie geeignete Landlebensräume mit Tagesverstecken und Winterquartieren.

Mit ihrer Fortpflanzungstaktik haben sich die danach benannten Pionier-Arten an ihren natürlichen Lebensraum angepasst: Bei Gelbbauchunke, Geburtshelferkröten und Kreuzkröten findet die Reproduktion nicht nur einmalig im Frühjahr, sondern verteilt über die Sommermonate statt.

Der Tagliamento bei Cornino nahe Spilimbergo (Foto: Diego Cruciat, wikimedia)

Ersatzlebensraum Industrielandschaft

Natürliche, ungegradigte Flüsse und Bäche mit ausgedehnten Auen gibt es in Europa kaum noch. In der dicht besiedelten und industriell genutzten Landschaft der StädteRegion Aachen haben die hier vorkommenden Pionier-Amphibien Ersatz-Lebensräume gefunden, wo durch Abbau von Sand, Kies, Stein und Kohle Bereiche in der Landschaft entstanden sind, die ähnliche Strukturen wie die Natur-Habitate aufweisen: Spärlich bewachsene Bergehalden und Steinbrüche mit besonnten Hängen und Steinhaufen, Kiesgruben mit lockerem Boden und Sand- und Kieshäufen. Solange die Abgrabungsstätten noch in Betrieb sind, sorgen Fahrspuren und Schürfgruben für Laich- und Aufenthaltsgewässer. Der Betrieb sorgt dafür, dass der Boden größtenteils nur spärlich bewachsen ist.

Laichschnur von Kreuzkröten (Foto: Biologische Station StädteRegion Aachen e.V.)

Weitere Informationen zu den drei Amphibienarten finden sich auf folgenden Webseiten:

Bundesministerium für Naturschutz

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW

Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW