
Lebensräume für gefährdete Amphibienarten in der StädteRegion Aachen
Neue Amphibiengewässer im Naturschutzgebiet Schlangenberg sollen bedrohte Arten fördern
Biologische Station der StädteRegion Aachen setzt Maßnahmen im Rahmen des Projekts „LIFE-Amphibienverbund“ fort
Die Biologische Station StädteRegion Aachen e.V. legt im Spätsommer im Naturschutzgebiet Schlangenberg neue Gewässer für bedrohte Amphibienarten an. Die Arbeiten sind Teil des EU-geförderten Projekts „LIFE-Amphibienverbund“, das zum Ziel hat, die Lebensräume seltener Amphibien zu schützen und miteinander zu vernetzen. Die Stadt Stolberg unterstützt die Umsetzung der Maßnahmen mit der dauerhaften Breitstellung der Flächen.
Im Mittelpunkt stehen die Geburtshelferkröte und die Gelbbauchunke. Beide Arten stehen auf der Roten Liste Deutschlands und gelten als stark gefährdet. Die Gelbbauchunke ist in NRW sogar vom Aussterben bedroht.
Früher befand sich am Schlangenberg das größte Vorkommen der Gelbbauchunke in der StädteRegion Aachen. Mit dem Ende der militärischen Nutzung des Geländes in den 1980er Jahren gingen viele Laichgewässer verloren, sodass die Art hier verschwand.
Heute kommt die Gelbbauchunke noch in benachbarten Gebieten vor. Da der Schlangenberg zwischen diesen liegt, stellt er eine wichtige räumliche Verbindung zwischen den Populationen dar. Durch die Anlage neuer Gewässer soll es den Tieren einfacher gemacht werden, von einer Population zur anderen zu gelangen. Gleichzeitig sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Gelbbauchunke nach mehr als drei Jahrzehnten wieder dauerhaft an den Schlangenberg zurückkehren kann. Um dies zu unterstützen, werden im Sommer Gelbbauchunken aus einer Nachzucht gezielt wieder angesiedelt.
Auch die Geburtshelferkröte kommt in der StädteRegion nur noch an wenigen Standorten vor. Am Schlangenberg lebt derzeit noch eine kleine Population. Hier finden die Tiere ideale Landlebensräume mit offenen, sonnigen Böschungen. Geeignete Gewässer für die Entwicklung der Kaulquappen fehlen jedoch. Mit den neuen Gewässern soll die Fortpflanzung der Art wieder ermöglicht und die Population gestärkt werden.
Geplant sind sowohl einige größere Gewässer für die Geburtshelferkröte als auch viele kleine für die Gelbbauchunke. Die Gewässer werden nach bereits bewährten Verfahren angelegt. Einige Wasserstellen werden mit Beton oder Zement abgedichtet, damit sie das Regenwasser dauerhaft halten. „Die Erfahrungen aus dem Projekt „LIFE-Amphibienverbund“ zeigen, dass solche künstlichen Gewässer von den Amphibien sehr gut angenommen werden“, erklärt Bettina Krebs, Projektleiterin an der Biologischen Station.
Die Standorte wurden in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde ausgewählt. Dabei wurden auch die besonderen Schutzgüter des Schlangenbergs berücksichtigt. Denn das Gebiet ist nicht nur für seltene Tiere wichtig, sondern auch für die besondere Pflanzenwelt, den Bodendenkmalschutz und den Trinkwasserschutz. So wird bei der Anlage der Gewässer zum Beispiel darauf geachtet, dass die ökologisch wertvolle Galmeivegetation am Schlangenberg nicht zerstört oder beeinträchtigt wird.
Durch den Einsatz von Baggern kann es allerdings zunächst so aussehen, als würden schwere Eingriffe in die Landschaft erfolgen. Diese Spuren werden aber schon nach relativ kurzer Zeit weitgehend verschwunden sein, da sich die Natur die Flächen schnell zurückerobert.


